Weltvolksvertretung

Eine Weltvolksvertretung ist ein Konzept oder eine Vision, die es ermöglichen kann, uns eine einige Menschheit vorzustellen. Nur eine einige Menschheit – nicht eine einheitliche, einer Weltregierung untergeordnete Menschheit – kann es ermöglichen, dass es allen Menschen besser geht, ohne dass sie dafür die Natur zerstören müssen. Nur eine einige Menschheit kann Kriege unnötig und auf Dauer unmöglich machen. Nur eine einige Menschheit kann die Bedingungen für eine Wirtschaft ermöglichen, die die Natur nicht zerstört, aber doch für die Bedürfnisse der Menschen sorgt. Nur innerhalb einer einigen Menschheit können wir uns selbst die Grenzen setzen, die wir brauchen, um uns von Natur- und Selbstzerstörung zu bewahren. 

Dazu benötigt eine Weltvolksvertretung kein Militär und keine diktatorischen Befugnisse und braucht nicht die bestehenden Staaten beherrschen wollen. Eine Weltvolksvertretung kann zustande kommen, wenn sich die Vernunft durchsetzt, wenn deutlich wird, dass durch Einigkeit zu suchen, alle gewinnen können, ohne dass jemand dabei verlieren muss. Dahingegen ist bereits heute deutlich, dass, wenn wir auf dem gegenwärtigen Trajekt fortsetzen und unsere natürlichen Lebensgrundlagen weiter zerstören und uns mit Atombomben bedrohen, wir alle verlieren werden. 

Eine Weltvolksvertretung wäre eine Weise, mittels der die Menschen, alle Menschen, sich selbst auf globaler Ebene organisieren können (und dadurch auch auf lokaler Ebene) und so imstande wären, gemeinsam dringend notwendige Entscheidungen zu treffen, die niemand sonst treffen kann. Eine Weltvolksvertretung wäre eine Einrichtung, mittels der die Menschen gemeinsam die Verantwortung für die gesamte Welt, für Mensch und Natur übernehmen würden. Eine Verantwortung, die bisher noch niemand trägt und deren Fehlen die Tür zu ungehinderter Zerstörung der Natur und Ausbeutung von Menschen ohne Macht ständig geöffnet hält.

Eine Weltvolksvertretung stellt keine Gefahr für die individuelle Freiheit dar. Im Gegenteil, nichts sonst kann diese besser garantieren. Einigkeit würde die Vorrangstellung des Rechts und der Gerechtigkeit überall ermöglichen, und das wiederum würde der Möglichkeit, Macht für zerstörerische und korrupte Praktiken zu missbrauchen, einen effektiven Riegel vorschieben. 

Eine Weltvolksvertretung würde zwar mit Zustimmung und Unterstützung von allen bestehenden Regierungen, aber völlig unabhängig von allen bestehenden Machtverhältnissen auf eine nicht manipulierbare Weise gewählt werden. Bei der hier vorgeschlagenen Weise in kleinen Gruppen und in mehreren Runden zu wählen, gibt es keine Parteien und keine Kandidaten. Es können grundsätzlich alle erwachsenen Menschen teilnehmen, vorausgesetzt, dass sie bereit sind zu wählen und gewählt zu werden. Eine auf die hier vorgeschlagene Weise gewählte Weltvolksvertretung wäre nicht nur aus Repräsentanten aus allen Regionen der Welt zusammengesetzt, sondern auch zu gleichen Teilen aus beiden Geschlechtern. Eine Verfassung der Menschheit würde Möglichkeiten der Weltvolksvertretung wie auch die Grenzen, die ihr gesetzt sind, festlegen. 

Die Repräsentantinnen und Repräsentanten in der Weltvolksvertretung können nur Entscheidungen treffen, die nachhaltig das Gemeinwohl befördern. Problematische und parteiische Entscheidungen werden schwerlich die Zustimmung der Mitglieder aus aller Welt und von beiden Geschlechtern finden können, und wohl auch kaum die Zustimmung einer deutlichen Mehrheit aller Regierungen der nationalen Staaten. Können jedoch Entscheidungen zum Nutzen aller, gestützt durch das Gewicht der Legitimität der Weltvolksvertretung und der nationalen Regierungen, getroffen werden, dann können diese wirklich umgesetzt werden. Die Menschheit wäre handlungsfähig und könnte die Bedingungen für Zusammenarbeit bereitstellen, die nötig ist, um unsere Existenz zu sichern. 

Macht es Sinn, sich diese Möglichkeiten vorzustellen? Ist das nicht eine Utopie und noch dazu eine völlig unmögliche? Natürlich ist das aus Sicht heutiger Verhältnisse so. Aber, wie schon Nelson Mandela sagte: „Es scheint immer unmöglich zu sein, bis es dann getan wird“.